Was macht ein/e Sprachtrainer/in?

Unser ehrenamtliches Lern-Angebot orientiert sich zwar an einem Lehrbuch (für den Einstieg zumeist: Thannhauser Modell, Schritte plus, Alpha plus, Bildwörterbücher, für die Fortgeschrittenen: telc-Prüfungstraining, Pluspunkt Deutsch: Leben in Deutschland A2, Pluspunkt Deutsch Berufe), aber jede Stunde verläuft so, wie es passt – die LernerInnen bestimmen den Plan, denn das wird gelernt, was gerade am nötigsten ist und was am ehesten den Fähigkeiten der Lerngruppe entspricht. Auch kann nicht immer jede/r zur Stunde kommen und:

 

Das Lernen geht in kleinen Schritten, mal vor und mal zurück, auch kreuz und quer. Das Buch, die aufgeschriebenen Sätze und Regeln sind wie gut markierte und glatt gewalzte Lern-Bahnen - aber die LernerInnen nehmen ihren Weg (und die Hürden) auf ihre eigene Weise, umgehen manche Hindernisse und schlagen sich auch schon mal durch die Büsche.

 

Denn: Was nützt der schöne Plan aus dem Lehrbuch, wenn ganz andere Dinge wichtiger sind?

 

Die meisten der in Handorf gelandeten Flüchtlinge kommen aus arabischen Ländern, also aus dem Süd-Osten, kennen den Norden bisher nur aus dem Fernsehen. Der Heimatverlust wird oft und immer wieder schmerzhaft erlebt - vor allem, wenn Bilder und Nachrichten aus der Heimat erschrecken. Aber auch dann, wenn Sprach-Prüfungen anstehen und sich die Tücken und Schwierigkeiten der deutschen Sprache zeigen - und wenn die Schwungkraft des Starts nachlässt, wenn Eigeninitiative und Zuversicht gefordert werden und sich Wohnungssuche, Behördengänge, Arbeits- und sogar Hilfsangebote zu scheinbar unüberwindbaren Hürden auftürmen.

 

Auf den ersten Blick scheint es unmöglich, alle LernerInnen zum Ziel, d. h. Niveua B1, zu bringen, und diejenigen (vor allem Männer), die nicht in unsere Deutschkurse kommen, obwohl sie keine offiziellen Kurse besuchen, scheinen dies zu bestätigen. Aber die meisten unserer LernerInnen wollen das A1-Niveau erreichen und weiterhin bei ihrer Alphabetisiserung unterstützt werden.

 

Dazu drei Tipps: (Es ist tatsächlich so wie mit dem Essen)

  • Als erstes ist herauszufinden, was „gut“ für einen ist: Für den einen ist es gut, immer wieder Deutsch sprechen zu hören (im Fernsehen, im Radio, auf der CD), für den anderen ist es gut, Bücher zum Lesen zu haben (oder Zeitungen, Reklame, Briefe, Info-Zettel, Gebrauchsanweisungen).
  • Als zweites ist es wichtig, täglich und regelmäßig eine „Sprach-Mahlzeit“zu sich zu nehmen: allein, mit anderen, im Kurs. Nicht immer ist es nötig, diese „Mahlzeit“ zubereitet zu bekommen, es ist lediglich bequemer. (Die für Flüchtlinge entwickelten Kursbücher und Programme sind weitgehend selbstlernend gestaltet.)
  • Und drittens: Eine verständliche Aussprache und situationsgerechte Anwendung des Gelernten erreicht man am besten beim Sprechen, Fragen und Antworten, Telefonieren, d. h. im Kontakt mit Deutschen, bei Stadtrundgängen, Ausflügen und beim Sport. Die schönsten und bekömmlichsten „Sprach-Mahlzeiten“ sind die gemeinsam zubereiteten!

 

Wir Sprach-TrainerInnen verstehen uns deswegen ganz bewusst als unermüdlich motivierende Begleiter, nicht als „Lehrer“ - auch wenn einige früher als LehrerInnen gearbeitet haben, auch wenn ein Lehrbuch oder Arbeitsblätter, die Tafel oder Flipchart, ein Schreibblock und Karteikarten für Übungssätze zu Hilfe genommen werden.

 

Und: Es gibt neben dem Scheitern und Verweigern das Gelingen, d. h. diejenigen, die jedes Stundenangebot nutzen, die regelmäßig die offiziellen Kurse besuchen (und von uns dabei begleitet werden), die eisern und diszipliniert alle Hürden und Tücken des Alltags und der deutschen Sprache überwinden, Schreiben und Sprechen üben, das Fernsehen ausstellen und die Lern-CDs hören, auch wenn sie Kopfschmerzen haben oder die Kinder quengeln.

 

Inzwischen haben 6 Frauen mit kleinen Kindern (die deswegen keinen offiziellen Kurs besuchen können),  unsere A1-Simulations-Prüfungen mit guten Ergebnissen bestanden! Und 2 von ihnen extern die VHs-Prüfung!

 

Das macht Mut und bestätigt, dass Lerner und ihre Begleiter auf vielfältigen Wegen vorwärtskommen. Das ist gut so, denn sonst ginge uns vielleicht doch die Puste aus. Damit das nicht passiert, treffen sich alle Ehrenamtlichen regelmäßig beim Jour fixe zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch - auch beratend und lernend. Wir meinen:

Worte sind Fenster und Türen in eine andere, neue Welt, in der wir uns schnell zu Hause fühlen können, wenn wir erfahren, dass es dort bequem und schön einrichtet ist. Dann können wir es schaffen, dass unsere Geflüchteten bald alles, was sie uns sagn möchten, auf Deutsch sagen können.

 


 

Wenn Sie also geduldig und verständnisvoll sind, sich auch über kleine Erfolge freuen und immer wieder Ideen haben, wie Sie auf diesem Deutsch-Lern-Hindernislauf die größten Steine aus dem Weg räumen können, dann sind Sie bei uns richtig!

 

Wer hier einsteigen will, melde sich herzlich gerne